StartRegulatorikISO 27001

ISO/IEC 27001:2022

ISO 27001 einführen, zertifizieren und betreiben

Eine ISO-27001-Zertifizierung ist im Mittelstand häufig Voraussetzung für Aufträge, Versicherungsschutz und regulatorische Nachweispflichten. Wer sie sauber umsetzt, schafft gleichzeitig die Basis für NIS2, TISAX und weite Teile der DSGVO-Dokumentation.

Unverbindlich testen – keine Verpflichtung, keine automatische Vertragsbindung.

Fachlich geprüft von Dr. Stefan Spörrer, LL.M. – Wirtschaftsjurist, geprüfter Datenschutzbeauftragter und Gründer von MGMSYS · Aktualisiert: Juni 2026

Auf einen Blick

ISO/IEC 27001:2022 beschreibt in den Klauseln 4 bis 10 Aufbau und Betrieb des Informationssicherheits-Managementsystems (ISMS); Anhang A listet 93 Maßnahmen, die ISO 27002 ausgestaltet.

  • Aktuelle Norm ISO/IEC 27001:2022; die Klauseln 4 bis 10 beschreiben Aufbau und Betrieb des ISMS.
  • Anhang A umfasst 93 Controls: A.5 Organisatorisch (37), A.6 Personell (8), A.7 Physisch (14), A.8 Technologisch (34).
  • Die 2022er-Fassung ergänzte elf neue Controls (u. a. Threat Intelligence, Cloud-Sicherheit, Datenleckschutz, sicheres Programmieren).
  • Das Statement of Applicability (SoA) begründet je Control Anwendung oder Ausschluss; jeder Ausschluss muss begründet sein.
  • Acht Schritte zum Zertifikat: Scope, Gap-Analyse, Risikoanalyse/-behandlung, SoA, Umsetzung, interne Audits/Managementbewertung, Stufe-1- und Stufe-2-Audit.
  • Zertifikat gilt 3 Jahre mit jährlichen Überwachungsaudits; typische Projektdauer im Mittelstand 6 bis 12 Monate.

Primärquellen: ISO/IEC 27001 (iso.org)

Stand: 2026 · Überblick ohne Gewähr, ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Struktur

Klauseln 4 bis 10 plus 93 Controls

ISO 27001 beschreibt in den Klauseln 4 bis 10, wie das Managementsystem aufgebaut und betrieben wird. Anhang A listet 93 Maßnahmen, deren konkrete Ausgestaltung die flankierende Norm ISO 27002 beschreibt.

A.5

37 Controls

Organisatorische Maßnahmen

A.6

8 Controls

Personelle Maßnahmen

A.7

14 Controls

Physische Maßnahmen

A.8

34 Controls

Technologische Maßnahmen

Die Fassung 2022 hat elf neue Controls ergänzt. MGMSYS bringt für jeden eine hinterlegte Maßnahmenvorlage mit:

Neuer Control (ISO/IEC 27001:2022)Bereich
A.5.7 – Threat IntelligenceOrganisatorisch
A.5.23 – Informationssicherheit bei Cloud-DienstenOrganisatorisch
A.5.30 – IKT-Bereitschaft für Business ContinuityOrganisatorisch
A.7.4 – Physische SicherheitsüberwachungPhysisch
A.8.9 – KonfigurationsmanagementTechnologisch
A.8.10 – Löschung von InformationenTechnologisch
A.8.11 – DatenmaskierungTechnologisch
A.8.12 – Schutz vor Datenlecks (DLP)Technologisch
A.8.16 – Überwachung von AktivitätenTechnologisch
A.8.23 – WebfilterungTechnologisch
A.8.28 – Sicheres ProgrammierenTechnologisch

Quelle: ISO/IEC 27001:2022, Anhang A (iso.org)

Abbildung

Wie MGMSYS ISO 27001 führt

NormklauselModul / Funktion
Klausel 4 – KontextISMS: Kontextanalyse, interessierte Parteien, Scope
Klausel 5 – FührungLeitlinien, Rollen, Management-Commitment
Klausel 6 – PlanungRisikoregister, Risikobewertung, SoA-Generator
Klausel 7 – UnterstützungRessourcen, Schulungen, Dokumentenlenkung
Klausel 8 – BetriebMaßnahmenumsetzung, Änderungen, Vendor Risk
Klausel 9 – BewertungKPIs, Audit Management, Managementbewertung
Klausel 10 – VerbesserungKorrekturmaßnahmen, KVP-Prozess
Anhang A.5–A.8Strukturiertes Control-Register mit Reifegrad

Jede Maßnahme wird einmal eingeführt und steht über das Cross-Reporting auch für NIS2, TISAX, DSGVO-TOM und weitere Frameworks zur Verfügung.

Zertifizierungsweg

In acht Schritten zum Zertifikat

  1. 1

    Scope definieren

    Anwendungsbereich, Standorte, Prozesse, Assets.

  2. 2

    Gap-Analyse

    Status quo gegen Klauseln und Anhang A abgleichen.

  3. 3

    Risikoanalyse und -behandlung

    Assets erfassen, Bedrohungen bewerten, Behandlungsstrategie festlegen.

  4. 4

    Statement of Applicability

    Pro Control begründen, warum angewendet oder ausgeschlossen.

  5. 5

    Maßnahmen einführen

    Prozesse dokumentieren, Policies erlassen, technische Controls implementieren.

  6. 6

    Interne Audits und Managementbewertung

    Mindestens einmal vor dem Zertifizierungsaudit.

  7. 7

    Stufe-1- und Stufe-2-Audit

    Externer Prüfer bewertet Dokumentation und Wirksamkeit.

  8. 8

    Überwachung und Rezertifizierung

    Jährliche Überprüfung, vollständige Rezertifizierung nach drei Jahren.

Typische Projektdauer bis zur Erstzertifizierung im Mittelstand: 6 bis 12 Monate.

Häufige Fragen

Müssen wir alle 93 Controls umsetzen?

Nicht zwingend. Controls dürfen ausgeschlossen werden, wenn sie im Anwendungsbereich nicht greifen. Jeder Ausschluss muss im Statement of Applicability begründet sein.

Was ist das Statement of Applicability?

Ein Dokument, das alle Controls aus Anhang A auflistet und für jeden Control begründet, ob er angewendet wird – oder warum nicht. Zertifizierungskritisch. MGMSYS erzeugt das SoA automatisiert aus der Risikobehandlung.

Reicht ISO 27001 für NIS2?

Als Ausgangspunkt ja, als alleinige Erfüllung nein. NIS2 ergänzt unter anderem Meldefristen gegenüber dem BSI, Registrierungspflicht und Leitungsschulung. Mehr auf der NIS2-Seite.

Wie oft muss rezertifiziert werden?

Das Zertifikat gilt drei Jahre. Jährlich finden Überwachungsaudits statt, nach drei Jahren eine vollständige Rezertifizierung.

Zertifikat ist Ergebnis, nicht Ziel

Ein gelebtes ISMS macht das Unternehmen widerstandsfähiger – gegen Angriffe, Betriebsunterbrechungen und regulatorische Risiken. Der Testzugang ist unverbindlich – keine automatische Vertragsbindung.